Modernes Sterntaler

27. Juni 2019

Titel: Unter pinken Sternen
Autor: Sabrina Schuh
Genre: Märchenadaption
Erstausgabe: 2019
gelesen: 06/2019

Kurzbeschreibung:
Ein geplatzter Traum
Ein Leben im Abseits
Ein Himmel voller Sterne

Die aufstrebende Modedesignerin Silke hat alles, wovon sie jemals geträumt hat. Als der plötzliche Unfalltod ihrer Eltern sie völlig aus der Bahn wirft, verliert sie nicht nur ihren Job und ihr Zuhause, sondern auch jede gesellschaftliche Struktur. Anfangs noch voller Hoffnung, vom vielgepriesenen Sozialstaat aufgefangen zu werden, erlebt Silke eine bittere Enttäuschung nach der anderen. Sie ist von nun an auf sich allein gestellt und muss lernen, in der rauen, unbarmherzigen Welt der Obdachlosen zurechtzukommen. Allerdings bleibt ihr wenig Zeit, diese Herausforderungen zu meistern, wenn sie nicht das Letzte verlieren möchte, was ihr geblieben ist: ihr Leben.

In Unter pinken Sternen spinnt Autorin Sabrina Schuh aus den Elementen der Grimmschen Sterntaler eine in sich geschlossene, düstere Gesellschaftskritik über Schuldgefühle, Verzweiflung und das schwere Leben einer jungen Obdachlosen.

Buch 15 aus den Reihen der Märchenspinnerei.

Meinung:
Schon bei ihrem ersten Buch “Unter Schwarzen Federn” konnte mich Sabrina Schuh mit ihrer Fähigkeit begeistern, schwierige Themen auf lockere Weise anzugehen und ihnen damit eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen, ohne die Ernsthaftigkeit zu verlieren. Das gelingt ihr auch diesmal wieder hervorragend.
Während des Lesens war ich so in die Geschichte versunken, dass mir die Parallelen zur Märchenvorlage gar nicht so richtig aufgefallen sind. Dabei sind sie doch so offensichtlich. Eine Weise, ohne Dach über dem Kopf, verschenkt erst ihr letztes Brot und am Ende sogar ihr letztes “Hemd”, um dann durch ein Wunder für diese Gutherzigkeit belohnt zu werden. Ach, ich liebe das Sterntaler-Märchen seit meiner Kindheit.
Vermutlich ist es naiv, aber mir erschien Silkes Werdegang zur Obdachlosen doch etwas überzogen. Was ihr Leben als Obdachlose angeht, hatte ich wiederum das Gefühl, dass es sehr realistisch, wenn dann eher noch geschönt, geschildert ist. Das Wunder, welches Silke am Ende widerfährt und sie aus ihrer aussichtslosen Situation retten, ist natürlich ziemlich unrealistisch, passt aber zur Märchenvorlage.
Das Buch regt definitiv dazu an seine eigene Sicht und sein Verhalten zu überdenken.
Ich muss ja gestehen, dass ich erst sehr spät verstanden habe, dass Felicitas, Fee aus “Unter schwarzen Federn” ist. Es hat mich sehr gefreut nochmal von ihr zu lesen und ein wenig zu erfahren was aus ihr geworden ist. Dieses Buch kann aber trotzdem gelesen werden, ohne dass man “Unter schwarzen Federn” kennt.
Ich hoffe noch viele solcher Bücher der Autorin lesen zu können.

Fazit:
Einfach nur großartig!
Schockierend, ernüchternd, berührend. Gesellschaftskritik und Märchenadaption der besonderen Art.
Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

Bewertung: 5 Sterne

Erhalten: selbst gekauft

Bildquelle und weitere Infos. (Verlagsseite)

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